Katholische Kirchengemeinde St.Martin - Leutkirch im Allgäu
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Pläne machen

Willst Du Gott zum Lachen bringen? – Dann mach Dir einen Plan. Ein Witz, den ich auf einem Plakat gelesen habe und der einiges für sich hat. Denn Pläne gibt es zu genüge: Urlaubspläne, Berufspläne, Familienplanung, Zukunftsplanung. Überall wird fleißig geplant. Besonders zum Schulanfang: Unterrichtsplanung, Stundenplan.
Planen soll Sicherheit geben. Pläne helfen, klar zu denken, sie helfen, Ziele in den Blick zu nehmen. Und doch kommt es immer wieder anders als man denkt. Pure Freude und tiefe Trauer, VerliebtSein und am Boden ZerstörtSein. Das lässt sich nicht planen.
Der jüdische Philosoph Walter Benjamin spricht von den Extremfällen des Lebens. Da zeige sich wirklich, was der Fall ist. Einer meiner Professoren hat das Leben deshalb mit einem Fluss verglichen. In einem richtigen Gebirgsfluss, da gebe es viele Strudel, die quer zur Flussrichtung stehen. Wo Leben in den Strudel gerate, wo es extrem werde, da seien wir an seinem Ursprung angekommen.
Am liebsten würde ich diese Strudel, die Überraschungen, die runterziehen und die Tage schwer machen manchmal aus meinem Leben streichen. Wie schön wäre es in solchen Situationen, wenn alles nach Plan laufen würde, nach dem Motto sicher ist sicher. Aber deshalb, so heißt es in einem Sprichwort, hat der Bauer seinen toten Hund angebunden. Das könnte mir dann auch mit dem Leben passieren. Wenn alles geplant ist, wenn nichts mehr passieren darf, dann wäre Leben nicht mehr frei, nicht mehr lebendig, sondern tot. Freiheit und Sicherheit, Veränderung und Ordnung sind die beiden Pole, die wir am liebsten beide festhalten würden. Das ist verlockend und wäre doch schrecklich langweilig!


Die Strudel des Lebens, die kleinen oder großen Wunder und Wunden, die uns täglich zu schaffen machen, lassen sich nicht planen. Aber die Strudel schwimmen in einem Fluss, der von seinen Quellen gespeist wird und seinem Ziel entgegenfließt. Was den Fluss trägt, ihm eine Herkunft, eine Richtung und ein Ziel gibt, nennen wir im Leben Vertrauen. Vertrauen ist das starke Gefühl, dass ich auch in den Extremen getragen werde, dass sie einen Sinn haben und dass ich mir dafür keinen Plan zu machen brauche.
Pastoralreferent Benjamin Sigg

 
 
 

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